10 Fragen an Familie Heile

Julia mit Tochter auf der Schaukel

Hallo Julia, stell dich und deine Familie in 1-2 Sätzen vor, auch gerne, was du so machst.

Sagen wir mal so: Wir sind eine lustige und unkomplizierte Familie bestehend aus Mama (Medienbereich), Papa (Ingenieur), Tochter (3, Wirbelwind) und Junior (ET März 2018), zudem noch Pony-Opa (24) und zwei Hasen (8 & 9 Jahre alt). Wir lieben Essen, Reisen, Hörbücher und die Natur.

1. Seit wann lebt Ihr vegan?

Vor nun ziemlich genau sieben Jahren bin ich umgestiegen, erst mit einigen Ausnahmen, dann bis zur 1. Schwangerschaft strikt vegan. Mit der Geburt unserer Großen 2015 ist auch mein Mann zum sogenannten Flexiganer geworden.

2. Ernähren sich die Kinder ebenfalls vegan?

Unsere Tochter isst gerne Eier, sonst lebt sie ebenfalls überwiegend vegan. Unser Junior ist ja noch nicht geboren.

3. Wie seid ihr zur veganen Ernährung gekommen bzw. euer Warum?

Ich war seit 1999 Vegetarier, was damals noch deutlich kompliziert war. Veganer waren mir immer ziemlich suspekt. Dann sah ich zufällig eine kurze Doku über die industrielle Herstellung von tierischen Produkten, die mich – ja, wirklich – wahnsinnig faszinierte. Es ging darin überhaupt nicht um Tierleid oder sowas, sondern um die Digitalisierung von Prozessen, also über Melkkarrussels, Fließbandarbeit beim Hühnerausnehmen usw. Diese völlige Entfremdung der Natur beeindruckte mich (negativerweise) so dermaßen, dass ich noch am selben Tag beschloss, nun komplett alle tierischen Produkte zu verbannen, und einfach nicht so zu werden, was für mich damals der „klassische Veganer“ verkörperte (dogmatisch, miesmachend und spaßresistent). Erst viel später war ich für die Schock-Infos der Quälereien der Eier- und Milchindustrie so weit, was mich dann nur noch bestärkte. Mein Mann kocht sehr gerne und hat großen Gefallen daran, neues auszuprobieren (was für ein unglaubliches Glück für mich! ?). Durch seine eigenen Koch- Ideen hat er dann gemerkt, dass er gar kein Fleisch für eine leckere Küche braucht.

4. Wie haben eure Ursprungsfamilien darauf reagiert?

Als ich umstieg lebte ich in einer Omni-WG und war nur selten bei meinen Eltern zu Besuch. Der Clou: ich habe keinem gesagt, dass ich von vegetarisch auf vegan umgestiegen bin – und es hat über einen Monat gedauert, bis es mehr oder weniger zufällig beim Grillen mit Freunden herauskam. Das hat dann schon mal meine Mitbewohner, die ja fleißig mitgefuttert hatten wenn ich kochte (aus Kosten-gründen bzw. Abrechnungsgründen kochten wir meistens vegetarisch) von sämtlichen Vorurteilen kuriert. Meine Eltern waren wie zu erwarten nicht wirklich begeistert, aber mehr aus „Sonderlings-“, denn aus Gesundheitsgründen. Mit der 1. Schwangerschaft hofften sie, sei das Thema dann endgültig erledigt, doch da musste ich sie enttäuschen – ich hatte keinerlei Verlangen nach einem saftigen Steak… Die Schwiegereltern sind nach wie vor skeptisch und kochen bei jedem Besuch aufwändige Fleischmenüs für meinen Mann, da mit er mal „was gescheites“ zwischen die Zähne bekommt und ärgern sich dann, dass er es gar nicht isst. Trotzdem arrangieren wir uns bei Besuchen immer irgendwie.

Julia mit Baby

5. Welches waren die größten Herausforderungen und wie habt ihr sie gemeistert?

Da gab es bei mir zwei besondere Fälle:

1. Den einen ihr Sündenpferd Käse war bei mir die Milch im Kaffee! Bis heute kann es mir keine Milch im Kaffee recht machen, deswegen habe ich sie komplett aus meinen Kaffees verbannt.

Und 2. Ganz klar: Restaurants. Damals waren schon vegetarische Gerichte in Restaurants etwas Besonderes, von vegan ganz zu schweigen. Durch meinen damaligen Job war ich blöderweise öfters bei Geschäftsessen, weswegen ich mit mir selbst einen Kompromiss schloss: Käsespätzle sind ok, ebenso frage ich bei Säften und Salatsoße nicht nach ob sie vegan sind. Das war ein ziemlich guter Plan, der allerdings nie nötig war, denn ich habe mich irgendwie immer so im Restaurant durchgeschummelt, sodass nicht einmal auf vegetarisch ausweichen musste.

6. Plant ihr euren Speiseplan bzw. wie sichert Ihr eure ausreichende Versorgung mit Calcium und Eisen eurer Kinder?

Ja, wir planen unseren Speiseplan wöchentlich, allerdings mehr aus organisatorischen Gründen, da wir nur einmal pro Woche einkaufen gehen. Dabei achten wir auf viel Abwechslung, meistens gibt es kein Gericht innerhalb eines Monats doppelt. Calciumhaltiges kommt dabei eher morgens und abends auf den Tisch, Eisen in den Hauptmahlzeiten.

7. Welche Erkenntnisse habt ihr auf Eurer Reise in die vegane Ernährung genommen?

Veganer retten nicht die Welt. Mein ökologischer Fußabdruck ist zum Beispiel dank Avocado- und Kaffeeliebe gepaart mit unglaublichem Reisefieber mindestens genauso schlimm wie ein Konsument von CO2-Billig-Steaks und Fast-Food-Junkies. Das war schon eine harte Erkenntnis. Ernährung generell wird hierzulande leider viel zu nachlässig behandelt. Zwar gibt es mal einen Trend hier und einen Hype da, aber die Wertschätzung und das Interesse an der Herkunft von Lebensmitteln lässt im Durchschnittsdeutschland wirklich zu wünschen übrig – In anderen Ländern ist das vollkommen anders, was mich immer wieder neidisch über die Grenzen spickeln lässt.

8. Wie reagiert ihr auf Vorwürfe oder kritische Fragen bzgl. Der veganen Ernährung eurer Kinder?

Erstaunlicherweise haben wir bisher kaum Vorwürfe gehört. Die meisten Menschen merken, dass wir uns in Ernährungsfragen deutlich besser auskennen als sie selbst, und haken lieber nicht so genau nach. Mittlerweile ist unsere Große auch schon so alt, dass sie selbst entscheiden kann und darf, was sie essen möchte, und dann auf kindliche Art einfach völlig überzeugt von „Wurst aus Pflanzen“ ist, dass man ihr lieber nicht ein totes Schwein andrehen möchte… (Da hatte die Oma schon mal kurz Tränen in den Augen…)

9. Gibt es einen besonderen Tipp, den ihr gerne weitergeben möchtet?

ja klar, am besten gleich 2:

1.: Vegan ist, was Du draus machst! Es gibt kein „Ich DARF dies und das nicht essen“! Das ist völliger Quatsch. Jeder kann entscheiden, wie konsequent er sein möchte, und muss sich vor niemanden dafür rechtfertigen! Eigentlich vegan aber Kaffee mit Kuhmilch oder Grillkäse bei der Gartenparty? Warum denn nicht? Vegansein ist kein Dogma (mehr), sondern sollte von jedem so gelebt werden können, wie er es für sich am besten kann.

2.: Alle Vorurteile über Bord, bitte! Die allermeisten Veganer erkennt man nicht an ihrem Aussehen und sie sind total tolle Menschen! Viele, so wie wir auch, „outen“ sich gar nicht erst als Veganer, weil es für sie so selbstverständlich ist. Mangelerscheinungen sind ebenfalls nicht vorprogrammiert – bei beiden Schwangerschaften merkte ich z.B. erst durch meine Blutwerte, dass ich überhaupt schwanger war: ich hatte die Müdigkeit und die Übelkeit erst auf die Blutwerte geschoben, der Arzt meinte dann, ich hätte Spitzenwerte und unter anderem sehr viel Eisen und Kalzium im Blut, daran könne das nicht liegen… Ob ich denn nicht mal einen Schwangerschaftstest machen wolle? ?

10. Welches ist euer absolutes Lieblingsrezept?

Die Ruck-Zuck-Mandelsoße mit Nudeln, Gnocchi oder Kartoffeln. Die Zutaten sind eigentlich immer im Haus und die Zubereitung dauert nur 3 Minuten: Ein Esslöffel weißes Mandelmus in der Pfanne warm werden lassen, etwas Sprudel und Gemüsebrühenpulver dazu, verrühren und fertig.

Vegane Familie Heile am Meer

geschrieben von
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