VegMed 2018 Review

Vegmed 2018

Meine Erfahrungsbericht über den Fachkongress von Medizin und Ernährungswissenschaft

Geballtes Fachwissen zur veganen Ernährung

Seit Jahren habe ich auf diesen Tag gewartet und dieses Jahr war es dann endlich so weit: ich bin zur Vegmed nach Berlin gefahren! (In den Jahren vorher war ich entweder frisch Mama oder einmal, wo ich schon angemeldet war, war ich dann krank) Daher habe ich mich echt mega gefreut als ich dieses Jahr endlich im Zug nach Berlin saß.

Und was soll ich sagen? Es hat sich mehr als gelohnt! Neben vielen tollen Vorträgen, die ich gehört habe, habe ich vor allem genetzwerkt und mich mit meiner lieben Kollegin Carmen Hercegfi vielen Menschen für unser erstes gemeinsames Buch vorgestellt. Ja, Du hast richtig gelesen 🙂 Ich schreibe grad an einem Buch und es wird für vegane Kinder und Teenies sein. Carmen hat bereits ein Buch für die vegane Schwangerschaft und Stillzeit mit Sarah Gebhardt geschrieben und beim Folgeband schreibe ich mit Carmen zusammen (“Vegan für unsere Sprößlinge”- es kommt Ende 2019 heraus)). Aber ich schweife ab.

Zurück zum Vegmed 2018. Ich habe in 3 Tagen 20 hervorragende Vorträge und Workshops besucht. Alle hier zu beschreiben, würde den Artikel echt sprengen, aber neben der Auflistung der Vorträge, teile ich mit Dir meine besten Erkenntnisse und Learnings.

Diese Vorträge habe ich gehört:

Freitag

  • Keynote: Messer und Gabel – Massenvernichtungswaffen oder Instrumente für Gesundheit und Heilung? Prof. Dr. Hans Diehl
  • „Lieber Gott, mach, dass die Vitamine vom Brokkoli in die Bratwurst kommen!“ Prof. Dr. Anja Kroke
  • Keynote: Nüsse! Gesundheitliche Vorteile regelmäßigen Nusskonsums Prof. Dr. Joan Sabaté
  • Paläo: Sinn und Unsinn der vegan Steinzeiternährung Prof. Dr. Andreas Hahn
  • Panel discussion: Die Milch-Kontroverse! Prof. Dr. Karl Michaelsson, Brenda Davis, Prof. Dr. SN Gupta 19:00 Moderation Dr. Christian Kessler

Samstag

  • Keynote: Wann und wie kommt pflanzliche Ernährung in unsere Krankenhäuser Dr. Neal Barnard
  • Workshop: Vorteile und Risiken der pflanzlichen Ernährung während Schwangerschaft, Stillzeit und im Kindesalter Dr. Leila Masson
  • Milchaufnahme und Risiko von Mortalität und Frakturen Prof. Dr. Karl Michaelsson
  • Keynote: Gemeinschaftsverpflegung im Spannungsfeld veganer Ernährung Prof. Dr. Arens-Azevedo (Präsidentin der DGE)
  • PAN Europa: Vorstellung Niklas Oppenrieder
  • Workshop: Essbare Kräuter und ihre gesundheitlichen Vorteile Dr. Heidi Braunewell
  • Keynote: Pflanzenbasierte Ernährung – eine Lösung für Diabetes? Brenda Davis
  • Session zur VeChi-Studie Moderation: Dr. Markus Keller
  • Keynote: Den Proteinbedarf mit pflanzlicher Ernährung decken Prof. Dr. Claus Leitzmann

Sonntag- Publikumstag

  • Keynote: Alles Käse? Dr. Neal Barnard
  • Gesprächsrunde: Tue Gutes und rede darüber – Gesprächsrunde mit erfolgreichen Health-Influencern Niko Rittenau, Sarah Gebhardt, Moritz Ulrich, Patrick Schönfeld Moderation Melanie de Jong
  • Das würzige Thema Vegetarismus aus indischer Perspektive: Fluch oder Segen? Dr. Vijay Muthy
  • Vegan in anderen Umständen – gesunde Schwangerschaft Carmen Hercegfi & Sarah Gebhardt
  • Panel discussion: Ultrasport und vegan – Leistung aus Pflanzen Patrik Baboumian, Dr. Katharina Wirnitzer, Ben Urbanke Moderation Dörthe Eickelberg
  • Pflanzenbasierte Ernährung zur Vorbeugung und Behandlung chronischer Krankheiten Brenda Davis

Des Weiteren gab es noch viele andere spannende Vorträge, u.a. den von Niko Rittenau (“Die Sojakontroverse – Wunderbohne oder Gefahrenquelle für die Gesundheit?”), von Dr. Katharina Wirnitzer (“Vegane Ernährung in Sport und Gesundheit – aktueller Boom oder uraltes Wissen?”) und von Dr. Mark Post (“Kulturfleisch als eine Alternative für die Zukunft? “), die ich mir nun im Nachhinein noch anschauen werde!

Meine Highlights

Die Vorträge der englisch-sprachigen Referenten waren alle sehr gut, qualitativ echt High-Level (was nicht heißen soll, das die deutschsprachigen weniger gut waren, doch die Amis sind in manchen Bereichen einfach doch immer einen kleinen Touch weiter). Hier haben mir am besten Dr. Neal Barnard und Brenda Davis gefallen. Dr. Barnard hat neben einer perfekt verständlichen Aussprache auch darauf geachtet, dass Fachbegriffe ebenfalls von Nicht-Fachfrauen/männern verstanden werden- die Inhalte waren also sehr verständlich und haben in ihrer Klarheit absolut überzeugt (Sein Thema war vor allem die Milch und wie pflanzliche Ernährung in die Krankenhäuser einziehen kann).

Brenda Davis hat eine sympathische Art und war ebenfalls sehr verständlich- thematisch ebenso wie sprachlich (es gab zum Beispiel einen aus Indien stammenden Referenten, den ich bei aller Liebe für diesen Slang – und ich liebe ihn wirklich – überhaupt nicht verstehen konnte (ich war übrigens nicht die einzige, der das so ging 🙂 ). Was wirklich sehr faszinierend war, war das Brenda Davis zum Ende ihres einen Vortrags nicht mehr genug Zeit hatte, um die für sie wichtigsten Folien zu zeigen, so konnte man quasi zusehen (eher zuhören), wie sie im Tempo so arg anzog, dass sie ihre Sprechgeschwindigkeit quasi verdoppelt, vielleicht sogar verdreifacht hat- es war total super- ich liebe sowas und mein Kopf hat hinterher echt geraucht- total klasse (eigentlich sollte man das ja in einem Vortrag nicht machen, denn zum Schluß haben wohl die meisten abgeschaltet, dennoch hat sie Standing-Ovations bekommen).

Wer hier natürlich auch nicht unerwähnt bleiben darf, ist Dr. Hans Diehl, der seit langer Zeit in Amerika lebt und ebenfalls auf Englisch referierte, da ihm es nicht mehr so leicht fällt auf Deutsch zu referieren- seine Vorträge waren beide super. Mir gefällt es einfach, wie die Amerikaner/ Engländer einen Fachvortrag mit lustigen Bildern (verbal oder auch visuell) verbinden, so dass der Witz das Wissenschaftliche untermauert. Das ist nicht nur amüsant, sondern man bleibt als Zuhörer am Ball und behält hinterher mehr von dem Gehörten. Das fehlt vielen Deutschen häufig oder es kommt einfach nicht so authentisch rüber (vielleicht nehme ich das aber auch nur so wahr, weil ich mich zu dem englischsprachigen so hingezogen fühle…?).

Der Vortrag von Prof. Dr. Claus Leitzmann sticht hier allerdings ganz klar heraus- es war für mich eine echte Ehre diesen Mann persönlich kennenzulernen (hat er doch das ein oder andere Lehrbuch aus Studizeiten geschrieben). Eine absolute Koryphäe für alle Vegetarier und pflanzenbasierten Ernährungsbegeisterten! Er hat mit unglaublich viel Esprit und Witz seinen Vortrag, wie man mit pflanzlicher Ernährung seinen Proteinbedarf deckt, vorgetragen (und das im Alter von 85 Jahren!). Natürlich bekam er ebenfalls Standing- Ovations und das Publikum ließ sich nur schwer davon überzeugen, mit dem Klatschen aufzuhören.

Meine besten Learnings

(teils in Stichpunkten damit Du nicht 2 Stunden brauchst, um den Artikel komplett zu lesen;-) )

Aus dem Vortrag: Messer und Gabel – Massenvernichtungswaffen oder Instrumente für Gesundheit und Heilung? Prof. Dr. Hans Diehl

  • Milchprodukte sind aus gesundheitlicher Sicht noch problematischer als der reine Verzehr von Fleisch
    → sind teilweise fettreicher, stark verarbeitet und mit Zusazustoffen gepimpt und werden in viel zu hohem Maße konsumiert
  • der Konsum von tierischen Nahrungsmitteln führt in den meisten Fällen früher oder später zu Diabetes Typ 2 und fast bei jedem zu koronaren Herzerkrankungen (nicht bei jedem muss dies allerdings Todesursache sein), zudem steigt die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken.
  • Ernährung kann das schleichenste Gift sein ODER es ist die sicherste und kraftvollste Form von Medizin, besonders präventiv gesehen, aber es lassen sich auch viele Erkrankungen mit hilfe von rein pflanzlicher Ernährung heilen (eventuell parallel zur medikamentösen Behandlung).

Aus dem Vortrag: Nüsse! Gesundheitliche Vorteile regelmäßigen Nusskonsums Prof. Dr. Joan Sabaté

  • täglicher Verzehr von einer Handvoll Nüssen, bringt mit sich, dass man sich insgesamt gesünder ernährt (langfristig gesehen) (hier wurden diverse Studien durchgeführt) – Omnivore haben dadurch insgesamt sogar weniger Fleisch gegessen 🙂
  • Das Fett in den Nüssen macht NICHT Fett, der Verzehr von leeren Kohlenhydraten, wie Weißmehlprodukte, zuckerhaltige Getränke, Milchprodukte, sowie Fleisch UND eine grundsätzlich hyperkalorische Ernährung machen dick!!!
  • der regelmäßige, kontrollierte Konsum von einer Handvoll Nüssen kann sogar eine leichte Gewichtsreduktion bewirken (laut von Sabaté durchgeführten Studien)
  • Außerdem verringert täglicher Verzehr von Nüssen das Diabetes 2 Risiko, sowie das Risiko an koronaren Herzerkrankungen und Krebs zu erkranken
  • in den vorgestellten Studien (z.B. Loma Linda Walnut Study) wirkte der Nussverzehr auch Blutdrucksenkend und verbesserte das Verhältnis von HDL zu LDL, des weiteren verminderte sich die Insulinsensitivität.

Aus dem Vortrag: Paläo: Sinn und Unsinn der vegan Steinzeiternährung Prof. Dr. Andreas Hahn

Dieser Vortrag war sehr aufschlußreich!!!

Warum die Grundannahmen der Paläos hinken:

  • die Steinzeit überspannt einen Zeitraum von 2 Millionen Jahren und die Menschen haben genau wie heute auch in unterschiedlichen Gebieten gelebt und regionsspezifisch gegessen
  • gesundheitlich betrachtet, gibt es noch zu wenig Studien, um abzuschätzen, ob Paläo sich positiv oder eher negativ auf die Gesundheit auswirkt
    → Fakt ist, dass eine Paläo-Ernährung nährstoffreich ist und sich kalorisch gesehen in einem guten Feld bewegt, ABER so Dr. Andreas Hahn, da nicht vegan keine Alternative 😉
  • und als Anmerkung, warum Paläo nicht soo schlecht ist, das die Anhänger nach ein/ zwei Jahren kollabieren, weil die Paläos alle verarbeiteten Lebensmittel weglassen, sowie jegliche Milchprodukte, Zucker und JunkFood- und das ist ein richtiger Pluspunkt
  • ethisch gesehen geht das in der heutigen Zeit und aus meiner Sicht ÜBERHAUPT gar nicht! (nur um hier noch mal meinen Standpunkt zu verdeutlichen 😉 )

Alles Käse? Dr. Neal Barnard

  • wenn man Käse genau anschaut in Bezug auf seine gesundheitlichen Aspekte, stellt man folgendes fest:
    → enthält 0 % Ballaststoffe
    → 70 % der Kalorien kommen vom Fett
    → enthält übermäßig viel Salz (300-500mg)
  • außerdem verringert der Verzehr von Käse die Spermienkonzentration und erhöht die Mortalität bei Brustkrebs-Patientinnen
  • die Produktion von Milch ist mit hohem Leid der Kuh verbunden (künstliche, manuelle Befruchtung und das Wegnehmen des Kalbes direkt nach der Geburt- Kühe schreien tagelang nach der Geburt nach ihrem Kalb)
    → das Aufzeigen dieser Missstände während der Präsentation hat vielen ZuhörerInnen (inkl. mir) die Tränen in die Augen getrieben.

Pflanzenbasierte Ernährung – eine Lösung für Diabetes? Brenda Davis

  • Das Fett innerhalb der Zelle verhindert, dass das Insulinsignal, intrazellulär zu den Glucose (Zucker)- Rezeptoren durchkommt, das ist der Grund, warum die Glucose nicht aufgenommen werden kann (also der Insulinrezeptor ist vollkommen intakt und auch die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse funktioniert) → deshalb funktioniert eine Gewichtsreduzierung auch so gut bei diesem Diabetes Typ, um die Symptomatik quasi rückgängig zu machen und den Diabetes auszuheilen.
  • “Eat the Rainbow”
  • Ja, eine pflanzenbasierte Ernährung unterstützt die Heilung von Diabetes Typ 2 in den meisten Fällen sehr gut.
  • Wir essen insgesamt zu viel verarbeitete und damit zu fettige, zu zuckerhaltige und zu unnatürliche Produkte/ Lebensmittel (haben den Namen eigentlich nicht verdient)- dies begünstigt ein Überessen von den falschen Nährstoffen (Fett, Zucker) und im Gegenzug verhindert eine Ernährung mit zu viel Convenience Food (wie die Amis und mittlerweile auch die Deutschen sie zu essen pflegen) die Aufnahme von genug wichtigen Nährstoffen (Vitamine, Antioxidantien, Mineralstoffen etc.).

Vorteile und Risiken der pflanzlichen Ernährung während Schwangerschaft, Stillzeit und im Kindesalter Dr. Leila Masson

  • Grundsätzlich ernähren sich die meisten (wie immer gibt es auch hier Ausnahmen) VeganerInnen bewusster und gesünder und haben i.d.R. einen BMI im (unteren) Normbereich
  • In der Schwangerschaft haben Veganerinnen klare Vorteile: normaler Blutdruck, weniger Schwangerschaftsübelkeit, normale Schilddrüsenfunktion, niedrigeres Risiko einer Fehlgeburt, weniger Infektionen und Schwangerschaftsstreifen
  • Babys von veganen Mamas sind gesünder und haben i.d. R. ein geringeres Allergierisiko, außerdem ist das Risiko einer Frühgeburt verringert. Später tauchen weniger Verhaltensauffälligkeiten und Lernprobleme auf
  • Cholin als kritischer Nährstoff in der SS (war mir neu)

Fazit

Es war ein echt toller Kongress, der sich sowas von gelohnt hat!! Und ich kann es gar nicht abwarten in 2 Jahren wieder dabei zu sein! Der Publikumstag eignet sich sogar für Familien wunderbar- es war ein offenes, fröhliches Treiben!! Ach in den Pausen gab es übrigens auch immer Yoga, leider hab ich dorthin nie geschafft 🙁 – beim nächsten Mal dann eben!

Grundsätzliches zum Abschluß:

ACHTUNG: Die Formulierungen hier im Text lassen den ein oder anderen vielleicht manchmal aufschrecken und einen inneren Widerstand spüren, dazu sei gesagt:

Ernährung ist nur EIN Teil, der zu einem gesunden, vitalen Leben dazu gehört. Bewegung ist ein anderer wichtiger Faktor und die Psyche ist ebenfalls ganz weit vorn bei den Einflussfaktoren von lebenslanger Gesundheit.

Wenn ich manchmal schreibe “bei fast jedem” oder “in den meisten Fällen” dann ist dies wissenschaftlich nicht ganz korrekt ausgedrückt und es bedeutet, dass es auch immer auf diverse andere Lebensumstände ankommt, wie das Individuum auf den Faktor Ernährung reagiert. Wer z.B. einen BMI über 25 hat, der entwickelt mit ziemlicher Sicherheit früher oder später einen Diabetes Typ 2 (je nach Lebensumständen) und auch das Risiko an koronaren Herzerkrankungen steigt mit steigendem BMI / Körpergewicht überproportional.

Weitere Informationen auf der VegMed Webseite

Stay healthy and happy!
Deine Anna

geschrieben von
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